Vergebung praktizieren: Wie kann man verzeihen lernen?

Du hast mich verletzt! Ich hasse dich!

Vergebung ist ein unglaublich schwieriger Vorgang. Gerade dann, wenn eine Verletzung geschehen ist, die sehr tief in die Seele geht und wenn der Verursacher zudem ein Mensch ist, der dir nahe steht. Es gibt seelische Verletzungen, die Menschen ihr Leben lang mit sich umher tragen und darüber hasserfüllt, depressiv oder bitter werden. Vielleicht werden sie am Ende selbst zum Verletzer, wechseln die Perspektive zum Täter, damit sie sich nicht mehr als Opfer fühlen müssen.

Um an einer schlimmen seelischen Verletzung nicht zugrunde zu gehen, ist deshalb die Vergebung von größter Wichtigkeit. Vergebung findet nur in deiner Seele statt und kann dir helfen zu heilen.

Vergebung befreit die Seele.

„Vergeben wollen“, also die Bereitschaft zu Vergebung und dazu die Erkenntnis, dass du dir damit selbst einen großen Gefallen tust, ist sicherlich der erste große Schritt auf dem Weg der Vergebung. Das aber dann auch zu fühlen, von Kopf zu Herz, ist die große Schwierigkeit.

Du solltest dir vor Augen halten, dass negative Gefühle vor allem dir selbst schaden. Bildlich gesprochen mit einem von Buddhas Gleichnissen: Wenn dich ein Pfeil trifft und du trägst eine Verletzung davon, dann ist das schlimm genug. Dann trifft dich aber ein zweiter Pfeil, der Pfeil der Angst vor erneuter Verletzung, der Rachegefühle und des Hasses. Diesen Pfeil hast du selbst abgeschossen und erst dieser Pfeil bedeutet wahres Leiden.

Meditiere, um dich zu stabilisieren!

Vom Zen-Buddhismus nach Titch Nhat Hanh und im Studium der buddhistischen Psychologie habe ich gelernt, dass zunächst natürlich die Meditation, das Praktizieren wichtig ist. Ziel ist zu erkennen, dass das Festhalten an negativen Emotionen nur dir selbst schadet und nicht dem Menschen, der dich verletzt hat.  Es bietet sich da beispielsweise die Metta-Meditation („Mitgefühlsmeditation“) an, um dein inneres Gleichgewicht wiederzufinden und das Mitgefühl zu stärken.

Ziehe dich zurück, wenn es dir nicht gut geht. Atme gleichmäßig ein und aus und lenke deine Konzentration auf das Heben und Senken deines Bauches. Erspüre dich selbst und hör auf, gedanklich in der Vergangenheit zu leben. Finde dein Gleichgewicht wieder. Sei hier. Sei jetzt. Atme!

Kultiviere dein Verständnis.

Für die eigene Geistesschulung ist es sehr wichtig, sich mit dem leidverursachenden Menschen und seine Situation, die zu der leidvollen Handlung geführt hat, auseinander zu setzen. Das ist nicht als Entschuldigung gegenüber der anderen Person zu sehen. Verständnis, bzw. Verstehen reduziert nur den eigenen Hass und entschuldigt nicht den Verlust der Selbstkontrolle oder das rücksichtslose Handeln des Anderen.

Generell solltest du dir auch klar machen, dass Vergebung an sich ebenfalls nicht bedeutet, dass du das Handeln des anderen für gut befindest. Vergebung praktizierst du nur für dich selbst und dein seelisches Wohlbefinden. Es ist ein innerer Prozess, der dich selbst befreit und nicht als Absolution für jemand anderen zu sehen ist.

Lass los!

Ist dieser Mensch noch in deinem Leben? Bereut er seine Tat oder macht er immer weiter in seinen Verletzungen? Wäge gut ab, ob du an diesem Mensch festhalten willst oder ob es nicht besser ist ihn loszulassen, um Abstand zu gewinnen. Manchmal muss man Personen zurück lassen um sich selbst zu schützen. Bleibe aber immer in einer positiven Grundhaltung. Falls sich dieser Mensch zu einem späteren Zeitpunkt noch ändert, könntet ihr vielleicht wieder zusammen finden.

Zeit heilt alle Wunden.

Der letzte Tipp: Lass dir Zeit! Verletzungen brauchen immer Zeit um zu heilen. Verdränge nicht den Schmerz, der dir zugefügt worden ist. Leugne ihn nicht. Nimm ihn an. Du kannst dieses schlimme Erlebnis nicht aus deinem Leben löschen – so belastend diese Realität auch sein mag. Es ist jetzt ein Teil von dir!

Aber du kannst den Schmerz dieser Vergangenheit achtsam betrachten, wenn er in dir aufsteigt und liebevoll umarmen. Hab Verständnis für deine emotionalen Schwankungen Atme und kehre ins Hier und Jetzt zurück. Was wichtig ist, ist dass du dein Gleichgewicht wieder findest. Wenn du den Schmerz besser annehmen und ertragen kannst, dann kannst du auch leichter dem vergeben, der dir dieses Leid angetan hat.

 

Beitrag von Isabella Hof

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