Buddhismus oder der Weg der Ent-Täuschung

Menschen glauben an ihr eigenes Ego und ihr Selbst. Buddhas Erkenntnis aber ist die Nichtexistenz des Selbst. Er hat gelehrt, dass alles unbeständig ist. Alles, was auf dieser Welt existiert, ist durch eine Vielzahl an Ursachen und Bedingungen entstanden. Alles, was entstanden ist, ist auch früher oder später dem Zerfall unterworfen.

Alles kommt und geht. Was geboren wird, altert und stirbt eines Tages. Unsere Gefühle, Gedanken und Vorstellungen, unsere Mitmenschen und die Welt in der wir leben ist vergänglich und verändern sich in jedem Moment. Das ist eine Wahrheit, die wir nicht gerne hören wollen. Wer aber an der Illusion von beständiger Existenz festhält, wird früher oder später leiden – Sobald die Wirklichkeit diese Illusion zerstört. Daher hat Buddha gesagt, dass Leid von uns selbst erzeugt wird.

Menschen verlieren sich gerne in Illusionen. Man spricht im Buddhismus von einer gefärbten Wahrnehmung durch Gefühle, Emotionen, Ansichten und Konzepte.

Um wieder in die Realität zurück zu finden, beschäftigen sich Buddhisten intensiv mit unangenehmen und Leid erzeugenden Emotionen. Nur durch die genaue Analyse des Leidens werden Ursachen erkannt und Wege aus dem Leiden heraus vermittelt.

Buddhismus ist eine Lebensphilosophie

Buddha hat immer wieder gesagt, dass die Menschen seine Lehre genau prüfen sollen, bevor sie ihr glauben. Nur wer sich mit einer Denkweise kritisch auseinandersetzt, kann echte innere Einsichten finden. Die buddhistischen Lehren sind weder Religion noch Geheimwissen. Sie vermitteln ein tiefes Verständnis der materiellen und geistigen Welt, in der wir uns befinden und haben das Ziel, die Realität möglichst ungefärbt von eigenen Emotionen und dem eigenen Ego wahrzunehmen. Dies zeichnet den Buddhismus aus.

Meditation als zentraler Inhalt der Geistesschulung

Meditation ist eine Praktik, die jedem Menschen innere Ruhe ermöglichen kann. Sie ist einfach geistiges Training. Das Ziel der Mediation ist zum einen die Beruhigung und Klärung des Geistes, zum anderen die Möglichkeit der intensiven Auseinandersetzung mit eigenen Konzepten, Emotionen und Illusionen.

Um unsere Umwelt möglichst klar wahrnehmen zu können, brauchen wir einen ruhigen Geist. Dazu benutzt man die achtsamkeitsbasierte Meditation.  Dabei lernt der Meditierende, den Geist zu fokussieren und Ablenkungen auszuschalten. Das ist ganz einfach – meist benutzt man den eigenen Atem als Anker der Konzentration. Indem wir all unsere Aufmerksamkeit auf das Ein- und Ausatmen lenken, trainieren wir den Geist, sich punktförmig auszurichten. Unwichtiges Abschweifen, Ablenkung und Grübeln wird ausgeschaltet.

Ist der Geist ruhig und durch etwas Übung gestärkt, kann man zur kontemplativen Meditation (von lat. contemplatio „Betrachtung“) übergehen. In der Kontemplation konzentriert man sich ganz auf sich selbst. Ziel ist es, die eigenen Denkmuster zu verstehen. Schmerzen, Sehnsüchte und negative Geisteszustände, die das eigene Handeln bestimmen, sollen behutsam hinterfragt und mit liebevoller Güte betrachtet werden. Dieses In-Sich-Versenken benötigt jedoch Zeit und Raum. Man macht eine solche Erfahrungen am Besten in der Stille eines Zen-Klosters oder auch in buddhistischen Zentren, die man für ein Wochenende oder bestimmte Kurse besuchen kann.

Stärken wir also durch Meditation unseren Geist, lassen wir uns nicht mehr so leicht aus der Ruhe bringen und durch äußere Bedingungen beeinflussen. Dadurch erkennen wir Probleme und Schwierigkeiten im Alltag auch mit größerer Leichtigkeit. Die Ruhe und Achtsamkeit, die wir in der Meditation finden, übertragen wir automatisch in unser Alltagsleben.

Was macht einen Mensch zum Buddhisten?

Ein Buddhist ist jemand, der wirklich bereit ist, tief in sein Inneres zu schauen. Wenn er dies tut, wird er erkennen, dass er die Blockaden in seinem Leben selbst erzeugt hat. Er ist bereit diese Hindernisse aufzulösen, indem er sich selbst ändert. Der Buddhist möchte kein Leid erzeugen. Er übt sich daher in der Entwicklung von Mitgefühl für sich selbst und für andere.

Die Bereitschaft, sich selbst und seine Handlungsweisen kritisch zu betrachten und zu hinterfragen, ist der entscheidende Schritt auf dem buddhistischen Weg des Glücks. Die Erhebung des eigenen Egos zu einem fehlerlosen, göttergleichen Konstrukt ist das häufigste Hindernis auf dem Weg zu echter Erkenntnis. Wird diese Grundeinstellung über Bord geworfen, ist eine Befreiung von den eigenen seelischen Leiden möglich.

Moralische Selbstdisziplin ebnet den Weg zum Glück

Es gibt fünf grundlegende Regeln für Buddhisten. Sie dienen dazu, unheilsame Handlungen zu vermindern und heilsame Handlungen zu kultivieren. Man möchte sich selbst und niemand anderem Schaden zufügen – sei es in Gedanken oder in Handlungen.

Übt man sich in moralischer Selbstkontrolle, so arbeitet man gegen die negativen Gewohnheiten. Das kostet sehr viel Energie – denn wir alle wissen, wie schwer es ist, aus einem eingefahren Verhaltensmuster herauszutreten. Ein Buddhist bemüht sich dennoch darin – zum Wohle seiner selbst und vor allem zum Wohle aller fühlenden Wesen.

  1. Möge ich es unterlassen, zu töten
  2. Möge ich es unterlassen, zu stehlen.
  3. Möge ich es unterlassen, sexuell unheilsame Handlungen auszuüben.
  4. Möge ich es unterlassen, zu lügen, Zwietracht zu säen, grobe Worte zu benutzen und sinnlose Gespräche zu führen.
  5. Möge ich es unterlassen, meinen Geist oder Verstand mit Drogen, Alkohol, Gedanken oder Emotionen zu benebeln und zu schaden.

Es bleibt jedem selbst überlassen, wie streng er diese Gesetze für sich begreift. Doch man kann klein anfangen und sich beispielsweise vornehmen, kein Fleisch mehr zu essen, vielleicht zunächst reduziert auf einmal die Woche und dann allmählich häufiger.

Nach und nach macht man sich bewusst, durch welche Handlungen man Leid für sich und andere schafft. Das ist der erste Schritt, um sich zu verändern und aktiv am eigenen und am Glück anderer zu arbeiten.

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