Weihnachten – Wenn keine Zeit für den inneren Frieden bleibt

Ist man auch noch so engagiert: Es gibt Zeiten, da findet man keine innere Ruhe. Gerade die Vorweihnachtszeit sollte eine Zeit sein, in der man dankbar auf das vergangene Jahr zurück sieht und sich auf die Menschen besinnt, die man liebt. Einfach mal Durchatmen und Innehalten. Die Feiertage gelassen und freudig erwarten.

Jedoch spüre ich es gerade selbst, dass das so gar nicht klappen will. Auf der Arbeit muss vor dem Jahreswechsel noch so viel erledigt werden. Die Geschäfte stehen voll mit Kunden – es ist die konsumstärkste Zeit im Jahr.

Hektik macht sich breit. Innerer Stress wird aufgebaut: Was soll ich an Weihnachten kochen? Wer kommt, wer nicht? Ich habe noch nicht alle Geschenke! Was machen wir Silvester?

Gerade jetzt wird die eigene Gelassenheit auf eine harte Probe gestellt. Wo ist die buddhistische Ruhe, wenn man sie braucht? Im Trubel des konsum- und freizeitstressenden Weihnachtswahnsinns verliert man sich selbst zwischen Smalltalk, Glühwein und einer nervenaufreibenden Dauerberieselung von „Let it snow“ auf allen Kanälen.

Innere Ruhe ist ein Luxus, den sich nicht jeder leisten kann

Es gibt bestimmte Voraussetzungen, die notwendig sind, damit eine Meditation gelingen kann. Ein Ort, an dem man sich sicher fühlt, zum Beispiel. Aber auch (akustische) Ruhe, das Vorhandensein lebenswichtiger Güter oder ein stabiles, soziales Umfeld sind Faktoren, die zu einer inneren Ausgeglichenheit immens beitragen. Man braucht also äußere Sicherheit für innere Sicherheit, äußere Ruhe für innere Ruhe und äußere Gesundheit für innere Gesundheit? Ja, irgendwie schon.

Buddhismus lehrt, dass man Meditation üben soll, wann immer man kann, damit man in unruhigen Zeiten darauf zurück greifen kann. Es bringt nichts, sich zur Ruhe zwingen zu wollen, wenn die Zeit dafür nicht reif ist. Man sollte Meditation eher als langfristiges Training betrachten und nicht nur als ein kurzfristiges Runter-Atmen. Wer die eigenen Gedankenstrukturen und den Blickwinkel grundlegend ändert, macht sich selbst das Leben leichter.

Dann bekommt man vielleicht beim zweihundertsten „Last Christmas“ und dem angetrunkenen, aufdringlichen Arbeitskollegen erst gar keinen erhöhten Blutdruck. Das wäre der buddhistische Idealfall.

Sich Zeit nehmen, heißt sich Zeit schenken

Mache dir selbst ein Weihnachtsgeschenk und nimm dir Zeit für dich und die Dinge, die wichtig sind. Falsch ausgedrückt sprechen wir von „Zeit stehlen“ – ich denke eher an „Zeit schenken“. Ist es wirklich nötig, die zweihundertste Lichterkette auch noch aufzuhängen? Muss die dritte Ladung Plätzchen heute auch noch gebacken werden?

Steig aus und setz dich hin. Atme durch. Koch dir einen Tee. Nimm dir vor, dich heute Abend einfach mal für eine halbe Stunde von deinen Pflichten abzumelden. Stattdessen leg dich in die Badewanne, lies ein Buch oder mach ein Schläfchen. Dann klappt es vielleicht auch wieder mit der eigenen Meditationspraxis.

Ich bin ein Mensch, der sehr stark seine Pflichten spürt. Das innere „Ich-muss-aber“ ist in meiner Welt ein ständiger Begleiter. Ganz oft führt mich dieser Begleiter zum angepeilten Ziel, aber oft vergesse ich auch meine eigenen Bedürfnisse darüber.

Es wäre schön, wenn wir uns zu Weihnachten vornehmen würden, mehr mit dem Herz und weniger mit dem Kopf zu leben. Es ist okay, wenn man zwischendurch anhält und nicht „funktioniert“. Es ist okay, wenn man das Handy ausschaltet und einen Tag lang liegen lässt. Es ist in Ordnung, wenn man eine Verabredung absagt, weil man einfach mal daheim bleiben und ausruhen möchte.

Wir sollten uns selbst viel öfter mit mehr Rücksicht und Achtsamkeit betrachten. Dann schaffen wir es auch vielleicht, aus unserem selbstgemachten Stress vor Weihnachten auszusteigen.

In diesem Sinne wünsche ich euch und mir eine schöne Weihnachtszeit und einen ausgeglichenen Start in das neue Jahr. Tashi Delek!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s